„Wir schenken der Welt ein menschliches Gesicht!“

Historie

Kolping hat in Schweinfurt eine lange und bewegte Geschichte - und mit der Kolpingsfamilie auch der Kolpinghaus Schweinfurt e.V., der dann 2014 in der Kolping-Stiftung-Schweinfurt aufging. Viele mutige und engagierte Männer und Frauen haben mit großer Kraft und teilweise unter den Einsatz Ihres Lebens dafür gesorgt, dass die Ideen, Ziele und Werte Adolph Kolpings in Schweinfurt bis heute nicht nur gelebt werden sondern sich immer - entsprechend den aktuellen Herausforderungen der Zeit - weiter entwickelt haben.
Heute können alle Kolpingmitglieder mit Stolz auf das Erreichte blicken aber auch mit Mut und Zuversicht die Herausforderungen der Zukunft angehen.
Axel Möller, Vorsitzender der Kolping-Stiftung-Schweinfurt

Am Montag, 12.10.1925…

…treffen sich Verantwortliche des Schweinfurter Gesellenvereins, um unter der Leitung von Präses Drescher einen „Hausbauverein“ zu gründen. Obwohl keinerlei Vermögen vorhanden ist, planen sie, in Schweinfurt ein Gesellenhaus für wandernde Gesellen zu bauen. Und tatsächlich gelingt es mit Mut und Opferbereitschaft, die Planung voran zu bringen und die nötigen Mittel bereitzustellen. Schon im Jahr 1926 kann der damalige Bischof von Würzburg, Matthias Ehrenfried, den Grundstein legen.

Im Jahr 1927 …

... kann das Gesellenhaus auf dem heutigen Grundstück eingeweiht werden. Der Bau hat 173.000 Reichsmark gekostet. Damals liegt das Gesellenhaus Schweinfurt noch außerhalb der Stadt und ist teilweise von Feldern umgeben. Neben der Unterkunft für wandernde Gesellen sind auch schon Räume für die berufliche Bildungsarbeit für die Gesellen vorhanden. Ihnen soll so der Aufstieg zum Meister ermöglicht werden.

Auch eine Gaststätte zur gastronomischen Versorgung der Gesellen gehört - wie bei allen Kolpinghäusern weltweit üblich - zum Haus. Sie bietet auch die Möglichkeit für Begegnung und Erfahrungsaustausch.

Von 1933 bis 1945 …

… durchlebt der Schweinfurter Gesellenverein gemeinsam mit seinem Hausbauverein eine schwere und gefährliche Zeit. Zunächst kann das Vereinsleben und die Funktion des Gesellenhauses – wenn auch eingeschränkt – noch aufrechterhalten werden. Ab 1937 treffen den Gesellenverein in Deutschland und seine Mitglieder Repressalien und Verfolgung. Der Deutsche Gesellenverein soll als berufsständige Vereinigung  im Rahmen des Gleichschaltungsgesetzes dem Gewerkschaftsbund zugeschlagen und alle eigenen Aktivitäten verboten werden. Die Führung des Deutschen Gesellenvereins begegnet dem mit der Umbenennung in „Deutsche Kolpingsfamilie“. Trotzdem werden viele Mitglieder von den Nationalsozialisten bedroht.

In Schweinfurt werden der Präses, der Vorsitzende (der damals noch Senior heißt) und mehrere Mitglieder von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet. Das Gesellenhaus soll erst beschlagnahmt und dann enteignet werden. Nur durch einen Scheinverkauf an die Pfarrei St. Kilian kann dieses Schicksal verhindert werden. Im Jahr 1940 wird das Haus dann doch noch von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und so das Vereinsleben endgültig zum Erliegen gebracht. Nur die „Küchenschwestern“ des Gesellenhauses setzten ihre Tätigkeit fort und können so den Hunger vieler Bedürftiger stillen. Das Haus wird durch den Krieg nicht zerstört, bleibt aber auch nicht vor Kriegsschäden verschont.

Nach Kriegsende im Jahr 1945 …

… errichtet die Pfarrei St. Kilian auf einem Teil des Grundstücks eine Notkirche, da die in direkter Nähe liegende Pfarrkirche St. Kilian zerstört ist. Das Schweinfurter Gesellenhaus wird nun zum Kolpinghaus und der Gesellenverein zur Kolpingsfamilie.

Zunächst dient das Haus noch den Aufgaben der Pfarrei. Der Kolpingsfamilie wird es anschließend - bis auf das Teilgrundstück auf dem die Notkirche stand – zurück übertragen. Ab 1953 kann der Gottesdienst der Pfarrei St. Kilian wieder in der neugebauten Pfarrkirche stattfinden und die Notkirche wird nach Umbau für verschiedene kirchliche Zwecke genutzt. Vielen älteren Schweinfurtern in noch die umgangssprachliche Bezeichnung „Henneburg“ geläufig, weil einige Jahre in dem Haus junge Mädchen zu Hauswirtschaftlerinnen ausgebildet wurden. Zuletzt war es dann Kindergarten. Noch heute wird das Haus - trotz ganz anderer Funktion - oft so genannt.

Im Jahr 1971 …

…beschließt die Generalversammlung der Kolpingsfamilie den Kauf eines 7300 qm großen Grundstücks in der Steigerwaldgemeinde Michelau. Dort soll ein Familienferienheim errichtet werden. Der Kolpinghaus Schweinfurt e.V. übernimmt den Erwerb und die weitere Planung. Im folgenden Jahr ergibt sich die Möglichkeit zwei Wohncontainer, die während der Olympischen Spiele in München als Unterkunft für Sportler gedient haben, kostenlos zu bekommen. Es werden ein Keller und entsprechende Fundamente sowie eine Verbindungsbau zwischen den beiden „Olympiahäusern“ gebaut und 1974 kann das Familienferienheim eingeweiht werden. Wieder hat der Mut und das persönliche Engagement vieler Kolpingmitglieder in kürzester Zeit ein Wunder wahr werden lassen.

Ende der 70er Jahre …

... beginnen die Planungen für eine Sanierung des Kolpinghauses. Die gesellschaftlichen Veränderungen führen dazu, dass immer weniger Gesellen eine Unterkunft auf ihrer „Walz“ benötigten. Eine neue Herausforderung ist entstanden. Junge Menschen suchen eine „Heimat auf Zeit“, um auch weit weg von zu Hause eine Ausbildungsstelle annehmen zu können. Im Jahr 1980 wird das Kolpinghaus Schweinfurt Wohnheim für junge Menschen in der Berufsausbildung.

Zum Beginn der 80er Jahre …

… übergibt die Pfarrei St. Kilian - unter Schmerzen - das Teilgrundstück mit der ehemaligen Notkirche wieder an die Kolpingsfamilie. Nach intensivem Umbau und Generalsanierung kann das Haus 1984 als weiteres Jugendwohnheim in Betrieb genommen werden.

In der gleichen Zeit …

… müssen die Verantwortlichen des Kolpinghaus Schweinfurt e.V. bauliche Probleme des Hauses in Michelau feststellen. Die von der Olympia GmbH prognostizierte Lebensdauer ihrer Häuser von 10 Jahren war sehr exakt. Es muss dringend für Ersatz gesorgt werden - oder besser ein Neubau her. Und wieder garantieren die bewährten Tugenden der Kolpingmitglieder, aber auch die Kraft der ganzen Gemeinschaft, den Erfolg. Im Jahr 1985 kann ein völlig neu gestaltetes Familienferienheim auf der Kolpinghöhe in Michelau eingeweiht werden.

Mitte der 80er Jahre …

…beginnt die Planung für die bisher größte Baumaßnahme in der Geschichte von Kolping in Schweinfurt. Das Kolpinghaus und das Wohnheim in der ehemaligen Notkirche sind zu klein geworden, der notdürftige Saalanbau am Kolpinghaus marode und die Herausforderungen an die Arbeit Kolpings in Schweinfurt gestiegen. Es soll unter Einbindung der vorhandenen Gebäude ein modernes Bildungszentrum entstehen.

Mit Hilfe und Unterstützung des Freistaats Bayern, der Diözese Würzburg und Kolping-Mainfrankens kann dieses gewaltige Projekt realisiert werden. Pünktlich mit dem Fall der Mauer und der Beendigung der deutschen Teilung im Dezember 1989 wird die Einweihung gefeiert.

Um den Betrieb dieses neuen Zentrums optimal zu gestalten gründen der Kolpinghaus Schweinfurt e.V. und die Kolping-Mainfranken GmbH (die damals noch Kolping-Bildungswerk Diözesanverband Würzburg e.V. hieß) zu gleichen Teilen die Kolping-Bildungszentrum Schweinfurt GmbH.

Zum Jahrtausendwechsel …

… wird wieder eine fundamentale Veränderung notwendig. Der Bedarf an Wohnheimplätzen für Jugendliche geht in Schweinfurt deutlich zurück. Ein Gebäude reicht nun für diesen Zweck aus. Das ursprüngliche Kolpinghaus wird saniert und umgestaltet zum Kolping-Hotel Schweinfurt. Und wieder ist es gelungen, den neuen Notwendigkeiten der veränderten Zeit zu entsprechen, ohne die Ziele und Anliegen Kolpings aufzugeben.

Im Jahr 2014 …

…kann nach jahrelanger intensiver Vorarbeit wieder ein Meilenstein in der Entwicklung Kolpings in Schweinfurt gesetzt werden. Der Kolpinghaus Schweinfurt e.V. errichtet die Kolping-Stiftung-Schweinfurt, bringt sein ganzes Vermögen ein und beschließt dann seine Auflösung. Dies ist nicht das Ende einer jetzt schon 89-jährigen Geschichte sondern ein mutiger Schritt mit weitreichenden positiven Auswirkungen in die Zukunft.

Im Jahr 2015 …

… erklären die Pächter der im Kolpinghaus befindlichen Gaststätte „Zum Gesellen“ dass sie den auslaufenden Vertrag nicht fortsetzen möchten. Eine neue Herausforderung steht im Raum. Eine gut funktionierende Gaststätte ist unverzichtbar für die Arbeit der Kolping-Hotel und Bildungszentrum Schweinfurt. Intensive Planungen und umfangreiche Umbauarbeiten führen dazu, dass im November 2015 das Gasthaus Handwerk eröffnet wird. Das Gasthaus ist als Integrationsbetrieb konzipiert, in dem sich Menschen mit und ohne Behinderung um das Wohl des Gastes bemühen.

Und bis heute …

… ist eine Aufgabe für Kolping geblieben. Wie schon zur Zeiten der Gründung kommen zu unserer Freude immer noch wandernde Gesellen - aber auch mittlerweile Gesellinnen - und bitten mit ihrem „Schnack“ um Unterkunft für eine Nacht. Bei Kolping bekommen sie das natürlich - und dazu auch noch ein Abendessen und ein Frühstück. Im Jahr kommen ca. 100 Gesellinnen und Gesellen und verbringen eine Nacht bei Kolping in Schweinfurt. Wir werden gerade dieser traditionellen Aufgabe verpflichtet bleiben.

Kontakt & Informationen

Kolping-Stiftung-Schweinfurt

Moritz-Fischer-Straße 3
97421 Schweinfurt
Telefon: 09721 / 7883-0


www.kolping-stiftung-schweinfurt.de